Ich, die Gastro und der kulinarische Dienstag #13

Der kulinarische Donnerstag #13

Heute gibt es mal kein neues Rezept für Euch. Das liegt nicht daran, dass ich in den letzten Tagen wenig gekocht hätte. Im Gegenteil. Der kulinarische Dienstag fand nämlich diese Woche statt und im Vorfeld gab es jede Menge Kocherei, Trinkerei und Co. Allerdings ohne Notizen oder Fotos, insofern gibt es heute nur einen Bericht und generelles Update 😉   

Ich und das Restaurant

Nach 5 Monaten im neuen Betrieb wird es nämlich so langsam ernst – will heißen: Allgemeines Urlauben rundum und somit viele Schichten und einen Batzen mehr Verantwortung für mich. Zumindest diesen Monat. Bestellungen im Auge behalten, dafür sorgen, dass weder Weine noch andere Dinge ausgehen. Ein bisschen darauf achten, dass alles rund läuft. Dazu gehört es auch, Käseplatten anzurichten und zu präsentieren, den Gästen gegebenenfalls Weine zu empfehlen, bzw. unsere Weinbegleitung zum Menü anzumoderieren.

Da ich manchmal dazu neige, alles ein biiiiisschen zu perfektionistisch anzugehen und mich leicht selbst unter Druck setze, kann ich jetzt so richtig schön üben 😉 Bei meinem vorherigen Arbeitgeber musste ich mich wirklich durch diese Phase beißen, da war es ein Sprung ins kalte Wasser mit, sagen wir mal, suboptimaler Teamkonstellation (= einer kontrollsüchtigen Vorgesetzten, mehr will ich dazu nicht sagen 😉 )

Dass ich mir in einer Version der Zukunft durchaus vorstellen könnte, einen eigenen Laden aufzumachen, weiß ja jeder, der mich so ein bisschen kennt. Wer sonst würde auch, nach einem strebsam abgeschlossenen Studium (Mittelalterliche Geschichte auf Magister, was habe ich mir bloß dabei gedacht, haha!), hauptberuflich Kisten schleppen, Böden und Klos schrubben und Gäste für ein schmales Gehalt betreuen, und das alles zu den Zeiten, wo normale Menschen frei haben? Die Frage, was ich da eigentlich mache und ob ich nicht doch noch die Kurve zu einem vernünftigen Job schlagen könnte, habe ich mir vor 3 Jahren gestellt. Und meinen Nebenjob zu meinem Hauptjob deklariert. Seitdem also Gastro als Quereinsteiger und mit der Motivation, soviel wie möglich zu lernen, um es irgendwann mindestens genauso gut zu machen 🙂

Und da viel bekanntlich viel hilft – zumindest in meiner Welt -, hab ich mir für noch mehr Input spontan ein Ticket für die „Chefsache“ am kommenden Wochenende gegönnt. Ich meine, come on:

Ein „Avantgarde Cuisine Festival“? Oh ja bitte!

So vieles daran spricht mich an! Zum einen natürlich die ganz schnöde Tatsache, was für Speaker in den letzten Jahren aufgelaufen sind… Grant Achatz, René Redzepi, Massimo Bottura… Die nehme ich sonst nur via Netflix und Chefs Table wahr – bzw. schaue rein hypotheeeetisch, ob man in der Osteria Francescana nicht doch eine komplette Monatsmiete während unseres kommenden Italientrips verballern könnte 🙂

Dann die Sache mit dem Tellerrand: Dieses Jahr liegt ein Fokus auf der, Achtung: Berliner Avantgarde (ja, man kann scheinbar den Kunsthistoriker-Sprech durchaus kulinarisch anwenden :D), also auf Restaurants wie dem „einsunternull“ und Konsorten, die teilweise Statements mit ihren Konzepten setzen wollen: Geradlinig, kreativ, radikal regional und saisonal. Ob ich dauerhaft nach diesen Grundsätzen essen oder mich beim Kochen einschränken möchte/könnte – ich weiß nicht, denn teilweise kommt es doch etwas forciert und verkopft daher. Aber sich damit einmal auseinanderzusetzen und mal in alle Richtungen mitdenken – bitte sehr gerne, schließlich geht es um Avantgarde Cuisine!

Nachdem ich ja nun tagtäglich mit Essen, dem Gastgeben und Co. zu tun habe, ist es wunderbar, mal ein paar Schritte über den eigenen Alltag hinauszudenken. Essen und Trinken sind mehr als nur Lebenserhaltung. Sie sind Teil der Kulturgeschichte, können Statement, Kunst und Lebenseinstellung sein. Und genau dahingehend will ich mich am Montag inspirieren lassen 😀

Aber zurück zu vorgestern und dem SupperClub…

Der kulinarische Donnerstag #13„Der kulinarische Dienstag #13“

Normalerweise ist ein Donnerstag perfekt für ein gemütliches Dinner mit Versack-Potential: Das Wochenende ist nicht fern, man hat nur noch den Freitag vor sich – und wie motiviert man diesem entgegentritt, das ist jedem selbst überlassen 😉 Außerdem ist es der perfekte Kompromiss für Daniel und mich, denn am Wochenende muss ich ja meistens arbeiten und ohne mindestens einen Tag Vorlauf könnte ich keine Menüs mit Weinen anbieten. Das ganze muss ja ein wenig vorbereitet und die Weine probiert und ausgesucht werden 😀

Der kulinarische Donnerstag #13Die Runde

Dieses Mal war es eine sehr gemütliche Runde, bei der ich alle Gäste (zumindest flüchtig) kannte. Cathrin, unsere superliebe Nachbarin aus dem ersten Stock, Moni, die über Mealmatch im Frühjahr schon einmal mit dabei war und sich tapfer dem RTL-Kamerateam stellte. Außerdem Linda, eine von Daniels Kolleginnen mit ihrem Freund Mark. Und natürlich Pia – Freundin und treuer Stammgast, diesmal mit ihrem „frischen“ Freund, den ich bei unserer Hochzeit leider nicht so eingehend kennenlernen konnte, wie ich gerne gewollt hätte 😉

Das Menü

Der kulinarische Dienstag hatte mal wieder insgesamt 5 Gänge, darunter ein Zwischengang/Sorbet und einen Pastagang. Geplant war ein Abschieds-Menü vom diesjährigen Sommer. Bekanntlich haut die Natur ja ordentlich was raus, bevor der Sommer endgültig in den Herbst übergeht 🙂 Los ging es also mit einem

  • Wassermelonen-Salat mit Rucola, Feta und gebratenen Garnelen

Das Rezept hatte ich die Tage ja schon geteilt: Schön pikant mit Koriander und meinen selbst-angebauten Chillies aus dem Garten angemacht – yummy!

Wassermelonen-SalatWeiter ging es mit

  • Steinpilz-Tagliatelle mit Orangenbutter

Pilze liebe ich ja eh! Leider werden sie meiner Meinung nach viel zu oft in ultra-sahnigen Saucen ertränkt. Was auch extrem lecker sein kann, aber mir diesmal viel zu herbstlich vorkam. Nach kurzem Stöbern auf diversen tollen Blogs, bin ich über dieses Rezept gestolpert und habe es testweise für Daniel und mich ganz spontan gekocht. Wir waren sehr überzeugt – so lecker frisch, fruchtig und „pilzig“! Der Pinot noir, den wir dazu hatten, war übrigens auch sehr toll und gibt es bei Jacques Weindepot, wo ich ab und an auch ganz gern einkaufe!

Leere Teller beim Pastagang

Leere Teller beim Pastagang 🙂

Ich muss gestehen, dass ich den Zwischengang geklaut hab. Naja, ich klaue mir meine Ideen ja eh aus allen Ecken zusammen, aber als ich letztens im Restaurant das

  • Brombeer-Espresso-Sorbet

probiert habe, war ich latent euphorisch… Boah, so eine Hammer Kombination! Intensiv beerig, mit einem Hauch Kaffee, der Knaller! Anstandshalber habe ich die Jungs garnicht erst nach der Rezeptur gefragt, sondern es zuhause spontan nachgemacht. Schwierig ist es angesichts von 3 Zutaten ja nicht. Brombeeren mit etwas Zucker aufkochen und passieren, kalten Espresso nach Gusto dazu. Unter regelmäßigem Rühren frosten und irgendwann ein steifgeschlagenes Eiweiß unterheben für die Luftigkeit. Probierts aus!

Uuund der Hauptgang: Irgendwie habe ich mit dem Hauptgang immer die meisten Schwierigkeiten. Ich würde so gerne einmal mit diesem Gang anfangen und den Rest drumherum bauen, aber irgendwie passiert regelmäßig das Gegenteil. Tausend Ideen zu Vorspeise, Desserts und Pasta und dann die Frage, was man dazwischen so als Hauptgericht kredenzen könnte.

Der kulinarische Dienstag - Krustenbraten

Niiiiicht schlecht für meinen ersten klassischen Krustenbraten

Ich wollte diesmal dringend etwas mit Quitten machen. Weil, hab ich noch nie verarbeitet und ich bin ja immer neugierig. Angelacht hat mich dann dieses Rezept. Ursprünglich bei Essen und Trinken publiziert, aber von Arthurs Tochter nachgekocht und somit für mich als empfehlenswert abgespeichert. Tja, so der Plan. Quitten gab es NIRGENDWO in Köln. Und der BIO-Metzger meines Vertrauens machte mir so ein schlechtes Gewissen wegen des zu schlachtenden Ferkels, dass ich auf einen BIO-Krustenbraten auswich 🙂 Insofern gab es

  • Krustenbraten vom BIO-Schwein mit Cidre, Äpfeln und Birnen

Dazu ein guter buttriger Klecks Pastinakenpüree und fertig war ein anständiger Hauptgang. Dazu haben wir einen ziemlich leckeren Rotwein aus dem Veneto getrunken. Die Trauben werden beim Appassimento-Verfahren nach der Ernte zunächst getrocknet und verlieren so einen Teil Wasser. Zurück bleiben leicht angetrocknete Beeren mit viel intensivem Geschmack, aus denen sich ein kräftiger, meistens alkohol-lastiger Wein keltern lässt. Wir hatten eine softere Variante mit „normalen“ Prozent. Elegant und intensiv war er allerdings tatsächlich und passte prima zum Schweinchen.

Zu guter Letzt gab es eine

  • schwarz-weiße Mousse au Chocolat

Hübsch geschichtet im Glas serviert, mit einem Klecks Cassis-Gelee zwischen den beiden Farben, war es ein leckerer Abschluss. Dazu ein Gläschen Banyuls (ein super Schokoladen-Begleiter, übrigens!) und viele nette Gespräche…

Fazit

Der kulinarische Dienstag war toll, auch wenn ich am nächsten Tag mit Ach und Krach aus dem Bett gekrochen bin. Ob ich es im Oktober nochmal schaffe, einen Dinnerabend zu machen, weiß ich grade nicht so recht. Es steht nämlich endlich auch bei uns – Urlaub an. Hallellujah! Der letzte „richtige“ Urlaub ist mittlerweile fast 1,5 Jahre her und ging mit den Schwiegereltern im Wohnmobil nach Kroatien. Just sayin‘ 😉

Aber nächste Woche gibt es wieder ein Rezept, versprochen! Und vielleicht ein kleines Recap zur Chef-Sache, mal schauen!

Macht es Euch schön! ♥

 

1 Kommentare

  1. Pingback: Hallo Herbst: Kürbis-Kuchen mit Apfel-Cidre-Füllung

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