Der kulinarische Donnerstag // Januar 2018

Ein bisschen blauer Himmel, die ersten Tulpen, wieder mehr gesundes Essen auf dem Tisch und nicht zuletzt: Der kulinarische Donnerstag Numero 1 des Jahres ist gemeistert… Ich glaube, der tote „Ich-bin-noch-nicht-ready-fürs-neue-Jahr“-Punkt ist endlich überwunden! Jetzt muss ich nur noch meinen Hexenschuss (ja, scheinbar kann man das auch schon mit 33 Jahren haben) von Sonntag auskurieren und dann kann es von mir aus wieder losgehen mit dem wilden Leben. Bis dahin humpele ich einfach noch ein paar Tage wie Quasimodo durch Köln, hinterfrage meine beruflichen Lebensentscheidungen und erzähle, wie der Start in das Dinner-Jahr 2018 geraten ist 😉  

Der Januar war bisher sehr gut zu mir. Auch wenn ich mir die ersten 2 Wochen nur die Decke über den Kopf ziehen und ein universelles Detox-Programm durchziehen wollte. Psychisch (der vergangene Dezember war das I-Tüpfelchen auf einem ohnehin anstrengenden Jahr) und physisch (der vergangene Dezember war das… ihr wisst schon). Dass mir der Rücken prompt dann versagt, wo es endlich mal etwas ruhiger wird, ist ja klar. So wie man immer pünktlich zu Urlaubsbeginn krank wird… Wenigstens konnte ich letzten Donnerstag ohne Beschwerden mein Dinner über die Bühne bringen! Und endlich hat man wieder mehr Zeit und Lust auf gemütliche, entspannte Abende zu zweit oder mit Freunden ♥

schüchterne Gänge, lustige Gäste – der kulinarische Donnerstag im Januar

Nach dem großen Festtags-Gelage also wieder große Kocherei im Januar. Diesmal doppelt so viele Anfragen wie Plätze, obwohl ich in einem kleinen Anflug von Größenwahn die Gastzahl diesmal auf 8 aufgestockt hatte. Bekannte Gesichter: 1,5 😉 „Fremde“: 6,5 (Rodrigo, Du bist der halb Fremde/Bekannte! 😀 ). Also mal wieder: Brainstorming und Inventur. Oft sind es die selten benutzten Gewürze, Weckgläser und Öle, die für die naheliegendsten Ideen sorgen. Zum Beispiel ein Pistazienöl, das seit geraumer Weile ein eher dröges Dasein in meinem Küchenschrank fristete, nebst einem Päckchen vakuumierter Maronen. Oder auch die 3 zart duftenden, spontan gekauften Quitten auf der Fensterbank, für die ich einfach noch keine Zeit gefunden hatte. Mal off topic: Sind Quitten – neben Granatäpfeln – nicht bitte das sinnlichste Obst überhaupt?! Sie erinnern mich immer an niederländische Stilleben mit ihren Rubens-Rundungen und der flaumigen Haut!

Pinterest und diversen Magazinen/Blogs sei Dank stand also nach etwas Bedenkzeit der kulinarische Donnerstag menü-technisch. Klassischerweise waren mal wieder dabei: Die üblichen Verdächtigen. Ein Fisch-Gang, hausgemachte Pasta fürs Gemüt, Sorbet, lecker Fleisch und natürlich ein Dessert. Ein bisschen Knabberkram auf den Tisch und den Gästen was mit Prickel in die Hand gedrückt und los gings! :)

Loup de Mer, Pistazien-Gremolata, Petersilienwurzelpüree, Portwein-Schalotten

Der spannendste und umsetzbarste Google-Treffer, wenn man eine Flasche Pistazienöl im Schrank hat und nicht weiß, was man (außer Dressing) damit feines anfangen kann. Hier gefunden, einmal probegekocht und sofort fest aufs Menü gesetzt.

Gleich mehrere Vorteile: 1. Ich lieeeebe ♥ Pistazien. Punkt, aus. Das alleine ist schon ein Argument. Was man gerne mag, damit kocht man auch gerne! 2. Die Kombination von erfrischend (die würzig-zitronige Gremolata) und winterlich samtig-soulfoodig (das geschmorte Wurzelgemüse) funktioniert richtig, richtig gut. 3. Super vorzubereiten, denn den Fisch muss man nur anbraten. Während er unter der Kruste im Ofen gar zieht, erhitzt man das vorbereitete Püree und bereitet die Schalotten zu. Easy peasy und richtig lecker.

Die schmeichelhaften Filter und einem mega Zoom unterworfene Insta-Variante vom Probekochen 🙂

Als leichten ersten Wein gab es dazu – für mich eher ungewöhnlich, da so noch nie getrunken – einen sizilianischen Blanc de Noir. Das heißt einen aus dunklen Trauben weiß gekelterten Wein. In diesem Fall ein Nero d’Avola, der dezent fruchtig war, nicht allzu schwer und vor allem wenig Säure hatte. Im Rennen waren noch 2 andere Kandidaten, aber ich habe meine Vorliebe für ziemlich „fette“, satte Weißweine erfolgreich im Zaum gehalten und es im ersten Gang ruhig angehen lassen. Für alle Kölner: Gefunden übrigens im Weinhaus Süd 🙂

Tagliatelle mit Bleu d’Auvergne, gerösteten Walnüssen und Birne

Im Anschluss eine Schüssel Tagliatelle nach Filippos Grundrezept. Die Nudeln mit Butter, etwas Sahne, Weißwein und Blauschimmelkäse in einer Pfanne geschwenkt und mit gerösteten Walnüssen bestreut, fertig. Mittlerweile habe ich zwar eine günstige Pastamaschine, die das Ausrollen erheblich erleichtert. Allerdings – vielleicht bilde ich es mir auch ein? – kommt es mir so vor, als würden die Nudeln dadurch zu glatt. Also ich rede von der Textur der Oberfläche, denn die gerät mit so einem Maschinchen ja ganz gleichmäßig glatt und mir kommen die fertigen Nudeln immer ein bisschen „flutschig“ vor. Im Gegensatz dazu bilde ich mir ein, dass von Hand ausgerollte durch das Nudel-Holz mehr „Grip“ haben und Saucen/Sugos/etc. besser halten. Irgendjemand Theorien dazu oder bin ich der einzige Freak, der über so etwas nachdenkt?! 😀

Die Pasta war jedenfalls simpel aus dem Kopf zubereitet und lecker! Bei so vielen Portionen bereite ich die Pasta gerne spätestens am Vortag vor, lege sie noch frisch auf mehreren Lagen Backpapier aus (säuberlich voneinander getrennt) und friere sie ein. So muss man am Abend selbst einfach ins Tiefkühlfach greifen und hat ein paar Minuten später wunderbare frische Pasta.

Der Wein? Diesmal musste was kräftiges her – anders kommt man Stinkekäse, Sahne und Walnüssen nicht bei 😉 Zufälligerweise war es wieder ein eher ungewöhnlicher Kandidat: Ein weißer Minervois, d.h. aus einer Region in Frankreichs Süden, die eher für ihre kräftigen Rotweine bekannt ist. Im Fass gelagert und richtig schön nussig, fett (ich mag dieses Wort im Zusammenhang mit Wein 🙂 ) und intensiv. Birnen-Aromen auch mit dabei, insofern ein klasse Wein, um dieses deftig-würzige Gericht zu matchen. Spontan kam übrigens auch noch etwas geraspelte Birne unter die Pasta. Um so besser passte der Wein – entdeckt im Kölner Weinkeller

Quitten-Rosmarin-Sorbet

Als kleiner Break vor dem eigentlichen Hauptgang: Ein erfrischendes Sorbet, diesmal in der Geschmacks-Kombination Quitte-Rosmarin. Sehr cremig, da ich hier zum ersten Mal nicht nur den Saft verwendet habe. Die Quitten wurden zusammen mit dem Rosmarin in etwas Apfelsaft weichgekocht, püriert und im Anschluss passiert. Übrig blieb eine ziemlich breiige Masse, die verhältnismäßig lange zum Gefrieren brauchte. Es war eher eine Eis-‚Crème‘. Ich bin mir nicht sicher, woran es lag, könnte mir aber vorstellen, dass in der Masse auf ziemlich wenig (frierbares Wasser) viel Zucker enthalten war. Und letzterer gefriert nicht 🙂 Lecker wars aber trotzdem!

Rinderfilet mit Maronen-Parmesan-Kruste und bunten Röstkartoffeln

Bisschen Salätchen musste sein: Feldsalat, mit Gurkenscheiben zu „Sträußchen“ gewickelt

Ein grandioses Rezept für einen hard-core Maronen-Fan wie mich! 😛 Rosa angebratenes Rinderfilet mit einem Parmesan-Maronen-Topping, was schmeckt wie die leckerste Knödelmasse der Welt. Dazu nur noch fein gewürfelte und gar-geschwenkte bunte Kartoffeln und eine Jus, die man am Schluss vom Teller schlecken möchte… Man merkt, ich schwärme! 😀 Gefunden habe ich das Rezept bei den foodistas und brav vorab mit Swetlana ausprobiert.

Der kulinarische Donnerstag - Hauptgang

Oh. Ja. Und dann zum Überbacken unter Oberhitze in den Ofen…

Alleine schon das Ansetzen einer kräftigen Saucenbasis mit Beinscheiben, die dann beim stundenlangen Köcheln ihren ganzen Geschmack in die rotweinlastige Jus abgeben können… Wenn man es dann noch schafft, beim Filet den richtigen Garpunkt beim Anbraten zu treffen, hat man im Grunde schon gewonnen. Das Maronen-Topping ist in 5 Minuten zusammengemischt und die Kartoffeln kosten lediglich etwas Zeit, wenn man wie ich perfekte Würfel schneiden möchte und sich einredet, dass der kulinarische Donnerstag damit steht und fällt 😉

Nein, wirklich! Definitiv nicht das letzte Mal gab es das! Vor allem die Sauce, die am Schluss noch mit Rübensirup abgeschmeckt wird… hmm… Und ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich mittlerweile ganz ohne irgendwelche Stoppuhren oder Bratenthermometer ein gutes Händchen für Fleisch und dessen Garpunkte habe.

Hehe, erstmal schnüffeln 😉

Dazu gab es einen richtigen Gaumenschmeichler aus der Rioja. Ein kräftig-würziger Tempranillo, der durch diverse Monate in Eichenfässern richtig schön rund und weich war. Daniel und ich trinken die „Baron de Ley“-Weine ohnehin sehr gerne und haben einen anderen auch auf unserer Hochzeit ausgeschenkt. Im besten Sinne ein Tröpfchen, an dem man sich mal den einen oder anderen Abend zu einem super Preis-Leistungs-Verhältnis fest-trinken kann. Muss dazu ja nicht immer der kulinarische Donnerstag sein. 😉

Lemon-Curd-Parfait, Baiserhaube, Mango-Kompott

Pssst… ich muss jetzt mal was loswerden… diese mega-tolle Riesling Spätlese von Markus Molitor hatte ich schon eingetütet, bevor ich auch nur die leisesten Pläne zu einem konkreten Dessert hatte 😀 Ein ganz toller junger Riesling, der aus vollreifen Trauben gekeltert wird. Frisch und süß. Cremig-weich, ohne den Mund zu „verkleben“. Einfach richtig richtig großer Trinkspaß. Faustregel: Viel Zucker in den Trauben -> ein Teil wird zu Alkohol, der Rest bleibt dem Wein erhalten. Im Nachhinein überlege ich, ob ein anderes Dessert nicht besser gepasst hätte, als einen Riesling mit einem Zitronen-Eis zu pairen. Wobei das vermutlich Jammern auf ziemlich pingeligem Niveau ist, denn der Wein war lecker-schmecker und mit dem Parfait endete der kulinarische Donnerstag sehr schön fruchtig 😉

Erst ganz harmlos, aber dann… (und Hauptsache immer das Weinglas in Reichweite, hahaha)

… wuuuuusch

Das Parfait war so ein bisschen improvisiert. Ich hatte zufälligerweise Mangos und zwei aus Neugierde gekaufte Passionsfrüchte im Haus. Außerdem noch jede Menge Zitronensaft, weil ich neben Wein auch Ingwer-Zitronen-Limo als alkoholfreie Alternative anbieten wollte. Also zack mit Zucker und Eigelben Lemon Curd daraus gezaubert, Sahne untergehoben und beim Frieren einen Passionsfrucht-Swirl reingerührt. Die Eiweiße kamen dann als warme und frisch abgeflämmte Baiserhaube auf das gefrorene Eis und ein bisschen Mango als fruchtige Beilage an die Seite.

Diese Lady ist neben Daniel) für die meisten Bilder hier zuständig, da sie sich tollerweise, einfach die Kamera geschnappt hat. Danke, liebe Evren!!

Nachdem ich einen der mickrigeren Crème-Brûlée-Brenner ja mittlerweile erfolgreich geschrottet habe, ist der kulinarische Donnerstag auf ein etwas größeres und resistenteres Modell von Lurch umgestiegen. Ein Traum! Kein Vergleich zu der Quälerei vorher! Wer gerade nach einem Brenner sucht – dieser hier isses 🙂

Das Dessert-Rezept gibt es hoffentlich noch dieses Wochenende online. Außerdem habe ich diese Woche mit meinem Kumpel Kosta wieder ein paar leckere Sachen für sein Radio-Format gekocht, also… stay tuned! 🙂

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